Ridlers Musik A-Z 2018-05-02T10:35:10+00:00

Ridlers Musik A – Z

A
Akustisch/Digitale Klangverschmelzung
 Ridler hat sich mit ihrem Projekt [koe:r] auf Klang-Forschungsreise begeben. Sie experimentiere  jahrelang mit der Synthese von selbst aufgenommenem Audiomaterial und den Möglichkeiten, die der Computer bietet. Audio-Aufnahmen wurden solange remixt, zerschnipselt, bearbeitet, verfremdet, gepitcht, gedehnt und mit Effekten belegt, bis sich artifizielle Sounds ergaben, die dann mit der Kraft improvisierender Individualisten verschmolzen – zur homogene Einheit.  Ridler: „Diese Verschmelzung sollte ein stimmiges, spezielles Klangbild hervorbringen. Auch versuchte ich, jede Note quasi bewusst zu gestalten, was zu einem aufwändigen Komponier- und Arrangierprozess führte. Eine CD ist schließlich mehr als eine Momentaufnahme. Sie ist eine Art Musikgemälde, an dem es extrem zu feilen gilt.“ 
Das Konzept wurde auf zwei Tonträgern umgesetzt – 2008 auf [koe:r] und  2012 auf „Susystems“, beide auf Ridlers Plattenlabel „Electroland Records Vienna“.
Rolling Stone Magazin: „Susystems führt schnurstracks ins Reich der Geniestreiche“.


C
Computer
2001, nach ihrer Rückkehr aus den USA, beginnt Ridler den Computer als Instrument in ihr musikalisches Schaffen zu integrieren.  Es folgt eine langjährigen Suche, Tradition & Moderne zu verknüpfen und einen individuellen und ungewöhnlichen Stilzugang zu finden

Coverversionen
Schön wär’s, die Zeit zurückdrehen zu können und in jener Epoche zu landen, als Songs noch unschuldig und Interpreten noch unbelastet schienen. Bis zur Erfindung der Zeitmaschine wird man sich jedoch mit einem Gefühl vom Ende der Musikgeschichte befassen müssen. Längst scheinen ja alle Geschichten erzählt, alle Songs grandios durchleuchtet – längst ist Musikgeschichte eine durch Referenzaufnahmen strahlende Einschüchterung, von der sich abzugrenzen, erheblichen Phantasieaufwand erfordert.   Hört man Susanna Ridlers Alben [koe:r] und [koe:r] „Susystems“, wird man bemerken, dass ein gangbarer Weg aus diesem Dilemma im fusionierenden Zugang zu bestehenden Stilen liegen könnte.  So finden sich Songs wie Summertime, Fever, Comes Love, Corcovado, Angel Eyes, You go to my Head,  Wayfaring Stranger undogmatisch auf eine überraschend neue musikalische Ebene gehoben – zumal die alten Hadern einerseits für sie ungewöhnliche Stilkleider tragen und andererseits eine Interpretation erfahren, die an Neukomposition grenzt.

E
Elektronik
Ich liebe ungewöhnliche Sounds und  „elektronische Devices“,  die mir im Studio als auch live auf der Bühne ermöglichen, eben solche Klänge herzustellen.“

E
Emotion
Sie sind in ihrer Bandbreite – zwischen Melancholie und Exaltiertheit – gewissermaßen Frühindikatoren für Kompositionen. Sie geben Hinweise auf Motive, lösen Melodien, Klänge, Rhythmen, Gedanken und Texte aus, die ihrerseits wiederum den Gefühlshaushalt gehörig durcheinander bringen können“.  Bis nach einem solchen Match „zwischen Empfindung und Material ein auskomponierter Song dasteht, durchlaufen die Elemente einen aufwändigen Prozess der Formung und Verfeinerung. Sie landen als zu bearbeitende Fragmente im Computer, erlangen dort ihre erste Form“, so Ridler.

 

Electroland Records Vienna: Ridlers Plattenlabel

I
Improvisation
Improvisation ist für mich das  hingebungsvolle Verschwinden im Moment – gemeinsam mit den musikalischen KollegInnen. Gelingt es, taucht man danach wieder auf, als wäre man  auf einer wundersamen Reise  gewesen. Das frei Musizieren in Echtzeit fordert  Partner, die reagieren und inspirieren, die verstehen, wohin die Musik spontan hingeht.


Inhaltliches Schreiben/Komponieren, Vertonung von Texten
Seit 2014 konzentrierte sich Ridler vermehrt auf  „inhaltliches“  Komponieren und der Vertonung von Texten. Dieses „inhaltliche Komponieren“ begann  auf ihrem  zweiten Album in Songs wie „Plastic Mutation“ ( wo sie das Thema des Dokumentarfilms von Werner Boote „Pastic Planet“ aufgreift), „Navigation System Crash“, inspiriert durch die Finanz/Wirtschaftskrise  2008, „Farewell „(über das Abschied nehmen) und „Winter“ (über den  plötzlichen, tiefen tiefen Wintereinbruch in Wien, innerhalb weniger Stunden,  2010). Und 2012 im Auftragswerk für das „Outreach Festival“  zum Thema „Finanzkrise“.  2014 im  Auftragswerk für den  Carinthischen Sommer, eröffnete ihr die Arbeit an Gert Jonke Texten einen Zugang zur Vertonung deutscher Sprache. „Ich hatte bis dahin zu großen Respekt vor deutscher Sprache und wollte den Chanson Kontext vermeiden“Unter dem Titel „Geometrie der Seele oder ich seh den See nicht mehr“ vertonte Ridler dann  Auszüge aus Gert Jonke-Werken (u.a. Teile des „Geometrischen Heimatromans“).  Dies war der Beginn einer mehrere  Jahre andauernden künstlerischen Auseinandersetzung mit dem lyrischen Schaffen Gert Jonkes, aus der  verschiedenste Kompositonen für Solo-Stimme, Jazz-Trio  ( Ridler/Herbert/Puschnig) & Kammerensemble  (eXXj) hervorgingen.  Höhepunkt war die Einbindung unveröffentlichter Gert Jonke-Texte auf Einladung der Gert Jonke Gesellschaft.

J
Jazz

Jazz war meine Ausgansbasis, mein Ausgansmaterial. Mittlerweile steh‘ ich irgendwo  an der Schnittstelle von  Jazz,  improvisierte Musik, Neuer Musik, Literatur,  artifizieller Elektronik und  … was die Zukunft an  interessanten Herausforderungen  bringen mag.

Gert Jonke
„Jonkes kompositorisches Schreiben eröffnete  mir einerseits einen besonderen Zugang zur Vertonung deutscher Sprache. Da gab es anfangs Berührungsängste.
Seine Texte sind in den Jahren der Auseinandersetzung eine unerschöpfliche Inspirationsquelle  geworden,  bereicherten mein Schreiben als  Komponistin als auch meinen stimmlichen & gesanglichen  Ausdruck  in der  Interpretationsarbeit .“

K
[koe:r]  (Herz & G‘hör)
Das 2004 gestartete CD- und Live-Projekt  [koe:r] ist Ridlers erste Bilanz einer konsequenten Entwicklung, die 2003 quasi als Insider-Tipp unter dem Namen „tristan“ mit dem Remix Projekt „Summertime“ bei Universal Music begann.

       

L
Loops
„Loops sind sich wiederholende musikalische Sequenzen und ein  wichtiger  Bestandteil meiner Musik, vorallem live.“

P
Pocket Session
Ridler  startete 2005 eine Mini-Konzert-Reihe, als musikalische Werkstatt im öffentlichen Raum,  in Form einer  eine 30-45 minütigen Solo oder Duo Session,  als Experimentier & Improvisations – Oase. In unregelmäßigen Abständen werden Solo oder mit verschiedenen musikalischen Partnern Zwischenstadien neue Kompositionen oder musikalischer Ideen im spontanen Dialog präsentiert. Hier stehen dem Experimentieren alle Türen offen,  aktuelle Themen, verschiedenste Texte stellen die Improvisation Grundlage dar, aber auch technisches Equipment kann hier auf seine Bühnentauglichkeit erprobt werden. Bei jeder POCKET SESSION werden  für  karitative Zwecke (freiwillige) Spenden gesammelt.

R
Remix EP
2009 produziert Ridler eine Remix-EP mit Mixes von IWolf, Lowa (featuring Uwe Walkner), Brenda & Conny Dix.

Remix über Gershwins Summertime
2003 unter dem Pseudonym tristan veröffentlicht Ridler Universal Music einen Remix von George Gershwins Evergreen „Summeritme“

 S
Stimme
Jenes Medium, mit dem ich versuche, alles auszudrücken. Emotionen sind das Zentrum dessen, was es auszusagen gilt. Da kann  der Atem eine Botschaft enthalten, es können Geschichten ohne Worte erzählt werden, ausschließlich mit Fantasiesprache und Geräuschen. Jedes Gefühl hat eine stimmliche Entsprechung. Jedes Gefühl ist erlaubt. Singen ist Ausdruck der Seele, der emotionalen Wahrheit, und für mich keinesfalls ein reines Zelebrieren des Schönklangs.

„Susystems“
Ridlers zweiter Tonträger ihres Projekts[ koe:r] mit dem  Titel SUSYSTEMS führt auf popjazziger Basis zwei Extreme innerhalb einer Gefühlslandschaft von [koe:r] zusammen: den Einsatz der Stimme, wie auch den Charakter des Arrangements.
Dem wilden Ausdruck steht der Verinnerlichte entgegen, dem drangvollen Groove, ein sanftes Schweben der Strukturen, der Hitze des improvisatorischen Austauschs wird der kühle Atem der Poesie entgegengestellt, dem Zorn des Schreis schließlich die nachdenkliche Zerbrechlichkeit der Melancholie.  Diese unterschiedlichen Ausdruckswelten werden innerhalb ungewöhnlicher Songformate abgehandelt, in denen akustische Instrumente  mit elektronischen Fantasien verschmelzen. Der Eröffnungstrack „Walk“ ist ein grooviger Mix aus Jazzrock und Funk, mit kontrapunktischer Behandlung der Instrumente. „Farewell“ hingegen eine düstere Popballade, in der eine Stimme lichtvoll gegen die Dunkelheit ankämpft. Der Standard „You go to my Head“ wiederum präsentiert sich als Portrait einer durch eine fixe Idee zu immer exaltierteren Gefühlsäußerungen gedrängten Figur. Winter prägt eine angstvoll sich steigernde Stimmpoesie. Plastic Mutation kommt als ausgelassene Improvisation eines Kunst wesens daher. „Navigation System Crash“ ist ein quasi cooljazziger „Pas de Deux“ zwischen Instrumenten und Stimme. Der Jazz-Standard „Angel Eyes“ handelt auf funkrockiger Grundlage von zornig herausgeschriener Sehnsucht. „Bits and Pieces“ wiederum kommt smoothjazzig daher, erfährt jedoch eine dynamische Stimmenvermehrung. „Wayfaring Stranger“ ist eine sanfte Meditation über den Tod. „Dreaminiscence“ ist ein abstrakt dahinschwebendes, atmosphärisches Klang- und Melodiegemälde von eigenwilliger Form. „SusysteMix „schließlich: eine groovige Paraphrase über einige melodische Eckpfeiler dieser CD. An dieser Schnittstelle von artifizieller Elektronik, Smoothjazz, Poppoesie und Funkrock begegnen einander schillernde Gestalten: Melancholische Träumer mutieren zu exaltierten Expressionisten. Lichtwesen erhellen die Soundfinsternis, und zum Vorschein kommen scattende Kunstfiguren, Stepptänzerinnen, denen Funk und Fusion Energie einhauchen. Da sind Poeten, die für ihre Gedichte nur Melodien brauchen, jedoch gerne den Kontakt mit der Spontaneität von Improvisatoren aufnehmen. Susystems: Ein schillerndes Völkchen lebt seine Exzentrik inmitten bisweilen labyrinthischer Songformen aus. Inmitten atmosphärisch dichter Kompositionsräume, in denen sich auch der Traum von einer Verschmelzung zwischen Tradition und Moderne materialisiert.