GEOMETRIE DER SEELE

CD Produktion – als Hommage an GERT JONKE

ein imaginäres Miniatur-Musiktheater / Jonke – Musikhörbuchminiaturoper (Arbeitstitel).

Veröffentlichung: Herbst / Winter 2020 / Vertrieb LOTUS RECORDS / Label Electroland Records
CD Präsentationskonzert: 10. Dezember 2020 im Porgy & Bess, Wien

Derzeit arbeitet Ridler an einer umfangreichen CD-Produktion als Hommage an den bedeutenden österreichischen Schriftsteller GERT JONKE.  Zum Hören gebracht wird eine Auswahl ihrer Kompositionen, die seit 2013/14 für verschiedenste Besetzungen entstanden sind, – zum Teil mit unveröffentlichten Texten. Herzstück sind die Kompositionen für das Trio Projekt „Geometrie der Seele“ mit Peter Herbert (Kontrabass) und Wolfgang Puschnig (Altsaxophon, Flöte). Als besonderes Zeitdokument wird auch die originale Stimme von Gert Jonke zu hören sein, die – aus unterschiedlichsten Tonquellen zusammengetragen – zu einer eigenen dramaturgischen „Erzählstimme“ modelliert wird, als eine Art „Musikdrama des Schreibens“.

Inhalt:
Der Dichter hält in einer nicht genau definierten Stadt einen fiktiven Leseabend ab. Immer wieder bricht er aus der Lesesituation aus und beginnt bekenntnishaft, über sich selbst und das Schreiben, die Musik und die Kunst an sich zu reflektieren. Eine künstlerische Existenz offenbart sich in ihrer ganzen Fragilität, verschmilzt mit den von ihr gelesenen Geschichten und taucht zuweilen monologisierend ab in die Musik. Die Stimme wird einerseits alleine für sich stehen, andererseits aber auch von Ridler künstlerisch bearbeitet in die Musiken hineinverwoben. Ergebnis ist eine Art psychologisches, tendentiell monodramatisches Stück, dessen musiktheatralische Anlage das Wesen eines schaffenden Künstlers porträtiert.

Man könnte das Ganze ein „imaginäres Musiktheater“ nennen, oder eine  Jonke- Musikhörbuchminiaturoper“.

Aktualität:
In Jonkes ungemein phantasievollen Schriften findet man auch Visionäres, die Brisanz der Weltzerstörung durch den Menschen hat er mit seiner Sprache in phantastisch, betroffen machenden Szenarien vorweg genommen. Seine Texte haben große Aktualität.

Musik:
Die Kompositionen sind nicht nur Vertonungen von Jonkes teils unveröffentlichter Literatur. Sie kommentieren und heben den lesenden Dichter auf eine neue emotionale Ebene, wobei die Musik stilistisch zwischen diversen Bereichen changiert: Jazztrio, elektronische Kompositionen, klassische Orchestermoderne, “Wortfugen“, elektronisch gebaute Riesenchöre oder elektronisches Pocketorchester.

GERT JONKE: Texte / originale Stimme (aus privaten Tonaufnahmen, Interviews, Lesungen, Filmporträts)
SUSANNA RIDLER: Produktion / Komposition / Arrangement / Dramaturgie / Stimme
PETER HERBERT: Kontrabass
WOLFGANG PUSCHNIG: Altsaxophon, Flöte

Für die CD-Produktion wurden alle Konzerte des Trios GdS seit 2017 aufgezeichnet und dienen Ridler als Ausgangsmaterial.
(2017: Salzburger Literaturfest @ Jazzit / Bleiburg-Werner Berg Museum //
2018: Porgy & Bess / Wiener Musikverein, Gläserner Saal)

Diese CD entsteht in Kooperation mit der GERT-JONKE-GESELLSCHAFT

Gert Jonke CD Entwurf

PROJEKT HISTORIE

Susanna Ridler setzte sich infolge eines Kompositionsauftrags des Carinthischen Sommers 2013 aus großer künstlerischer Begeisterung kontinuierlich mit dem literarischen Werk Gert Jonkes auseinander. Diese langjährige musikalische Jonke – „Forschungsarbeit“ wurde von der Gert-Jonke-Gesellschaft aufmerksam begleitet und mit verschiedenen Auftrags- Kompositionen unterstützt (anläßlich des Gert Jonke-Preises 2015 / Grabsstein-Enthüllung am Wiener Zentralfriedhof 2015, Komposition & Performance beim Gert Jonke-Preis 2017 und der Klanginstallation „Pflanzentisch“ anläßlich der Ausstellung im Musilmuseum). 2016 eröffnete die Gert-Jonke-Gesellschaft Ridler die Möglichkeit, auch unveröffentlichte Texte aus dem Nachlaß von JONKE als Inspirationsquelle heranzuziehen. Aus diesen Textfragmenten entstanden unter anderem Kompositionen für Solo-Stimme und Jazz-Trio, wie auch das Kammermusikwerk „Chlorophyllklangpulverstaub oder: Die Erforschung des botanischen Tongewebes“, das im Dezember 2016 in Kooperation mit dem Ensemble XX. Jahrhundert unter der Leitung des Dirigenten Peter Burwik uraufgeführt wurde.

Die Kompositionen für Jazz-Trio wurden unter dem Titel „Geometrie der Seele“ – beim 10 Jahres Jubiläum des Literaturfest Salzburg im Jazzit und der Eröffnung des Bachmannpreises 2017 uraufgeführt.

Anlässlich des 10. Todestages des Dichters Gert Jonke, gestalteten Susanna Ridler und Markus Hering erstmals einen gemeinsamen Gert Jonke – Abend im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins. Grundlage des Abends bildete Ridlers’ Trio-Projekt „Geometrie der Seele” mit Peter Herbert (Kontrabass) und Wolfgang Puschnig (Altsaxophon, Flöte).

Gert Jonke-Gesellschaft: „Ridlers performativer Stil bzw. ihre Herangehensweise an die Vertonung und Interpretation von Texten scheinen uns geradezu ideal, um der hohen Musikalitat in Jonkes Sprachkompositionen einerseits und seinen phantastischen Erfindungen über das Phenomen Zeit und Musik andererseits gerecht zu werden.“

„Im Künstlerzimmer eines Dichters wie Gert Jonke nach Unveröffentlichtem zu suchen, ist ein so abenteuerliches wie berührendes Privileg. Gedanken, die nie die finale Absolution durch den Autor erlangt haben, zu vertonen scheint auch denkbar heikel. Die Arbeit erfordert Sorgfalt bei der Auswahl und Interpretation der kostbaren Textstellen. Das Beruhigende: Durch ihre teils fragmentarische Anlage ermöglichen die Texte kompositorische Freiheiten, und ohnedies bleibt Gert Jonkes Sprache selbst im Unvollendeten unverkennbar JONKE.

Als ich der besonderen  Einladung der Gert Jonke-Gesellschaft & Ingrid Ahrer folgte und „das Künstlerzimmer“ zum ersten Mal betrat, begann eine faszinierende Odyssee durch Mappen und Papierstapel. Ich fand Entwürfe bekannter Texte, die an Jonkes Art der Satz-Konstruktion erinnern, in welchen er oftmals kompositorische Variationstechniken zur Anwendung brachte. Zum andern stieß ich auf unbekannte Textfragmente mit originell-surrealen Reflexionen über die menschliche Existenz. Diese Fundstücke wurden zur Grundlage neuer Kompositionen, in welchen ich  versuchte, Jonkes Gedanken und Sprachintensität aus der Musik aufsteigen zu lassen. Dennoch sollen die Stücke auch von improvisatorischen Freiräumen leben, in denen dem spontanen Reagieren reichlich Raum gewährt wird.

Stimme, Saxophon, Kontrabass – dies ist nun nicht gerade eine alltägliche Trio-Besetzung. Mit den Ausnahmemusikern Peter Herbert und Wolfgang Puschnig jedoch – die intuitive Klangwelten und Energiefelder zu entwickeln vermögen –  werden die Stücke zu Musikräumen, in denen das Geplante und das Spontane miteinander ausdrucksvoll kommunizieren. Komponierte Zuspielungen wie auch liveelektronisch „Gesampeltes“ erweitern das „Trio“ um ein klangliches Element. „

Der Titel des Projekts „Geometrie der Seele“, beschreibt für mich ein im Laufe eines Lebens entstandenes, unsichtbares seelisches Formenfeld. Zugleich verweist die „Seelen-Geometrie“ auch auf meine langjährige Reise durch die faszinierende Welt Gert Jonkes und meine Begegnung mit Peter Herbert und Wolfgang Puschnig, die mich schon bei meinem Projekt [koe:r] unterstützt  haben. (Susanna Ridler)

9.Jänner 2018, WIEN-PREMIERE im  Porgy & Bess, 20:30 Uhr
(Konzert wird für CD Produktion 2018  aufgezeichnet)

Texte und notiertes Material werden im freien improvisatorischen „Trialog“ spontan gedeutet, extrapoliert und durch elektronische Klangideen atmosphärisch verdichtet. Mit den Ausnahmemusikern Peter Herbert und Wolfgang Puschnig – die intuitive Klangwelten und Energiefelder zu entwickeln vermögen – werden die Stücke zu Musikräumen, in denen das Geplante und das Spontane miteinander ausdrucksvoll kommunizieren. Komponierte Zuspielungen wie auch liveelektronisch „Gesampeltes“ erweitern das „Trio“ um ein klangliches Element.

Susanna Ridler: Komposition, Stimme, Sounds, Live-Sampling
Peter Herbert: 
Kontrabass

Wolfgang Puschnig: Altsaxofon, Flöte

(C) Elmar Bertsch

© Elmar Bertsch

PRESSESTIMMEN über Geometrie der Seele

Salzburger Nachrichten, über die UA @  Literaturfest Salzburg, 18. Mai 2017
Sprachkunst macht Musik. Neue Jazzklänge zu Gert Jonke beim 10. Literaturfest Salzburg.
Er konnte aus zwei, drei notierten Worten ein ganzes Universum entstehen lassen. Wie ein großer Jazzmusiker, der aus einem kleinen Thema eine raffiniert sich verzweigende Improvisation zu Stande bringen kann“, schrieb Elfriede Jelinek 2009 zu Gert Jonkes Tod. Beim ersten Literaturfest noch anwesend, wurde der Autor am Donnerstag bei dessen zehnter Ausgabe im Musikclub Jazzit geehrt: Für die Uraufführung „Geometrie der Seele“ – eine Reverenz an Gert Jonkes Erstpublikation „Geometrischer Heimatroman“ (1969) – scharte Vokalistin Susanna Ridler Kontrabassist Peter Herbert und Saxofonist Wolfgang Puschnig um sich. Ausgangspunkt ihrer Komposition waren teils unveröffentlichte Textfragmente, die Susanna Ridler im Wiener Arbeitszimmer von Gert Jonke ausgrub.
Die Komponistin beschäftigt sich seit einem Schreibauftrag 2013 für den Carinthischen Sommer mit dem Werk des Autors. Diese emotionale wie geistige Aneignung seiner Sprach- und Bilderwelten ist bei der Performance spürbar. Hellwach kriecht sie im Laufe der beiden Sets förmlich in Jonkes Sprache, hüllt sich damit ein, um sie auf ihre ureigenste Weise wieder freizulegen. Lauscht und flüstert, atmet und raunzt die Freiräume zwischen den Worten, windet sich durch die Zeilen hinein in eine Deutung,  die sich nicht  aufdrängt, sondern vielmehr anbietet. Dieses Klangkonstrukt hat jedoch nichts Schweres oder gar Gekünsteltes, sondern unterhält natürlich auf hohem Niveau. Jonkes Humor wühlt Susanna Ridler immer wieder feinfühlig auf. Mit Wolfgang Puschnig und Peter Herbert hat sie zwei ebenbürtige Weggefährten. Alle drei Meister ihres Instruments, gehen sie damit abenteuerlustig auf eine Klangerforschungsreise. Was dabei ent- steht, ist eine Art experimentelle Kammermusik, die vorzüglich zum surrealistischen Ideenkosmos Jon- kes passt. „Geometrie der Seele“ ist der vierte nun uraufgeführte Teil von Susanna Ridlers Jonke-Pentalogie für unterschiedliche Ensembles.
Die Aufführung entlässt das Publikum poetisch beschwingt. 

Ö1 Kulturjournal, über UA @  Literaturfest Salzburg, 18. Mai 2017
Eine Uraufführung hatte das 10. Literaturfest Salzburg auch im Programm.
Die Vokalistin Susanna Ridler interpretierte Textpassagen des verstorbenen Autors Gert Jonke. Mantraartig.
Virtuos mit der Stimme und mit der Technik spielend, und mit Hilfe der Musiker Wolfgang Puschnig und Peter Herbert. 

Kleine Zeitung, Uraufführung Carinthischer Sommer 2014
M
it einem Hochamt beginnt am kommenden Sonntag die Villacher Brauchtumswoche.
Auf der Schiene cs_alternativ wurde bereits am verwichenen Sonntag ein Hochamt zelebriert:
Man lud in den Bambergsaal zur Uraufführung von „Geometrie der Seele oder Ich seh den See nicht mehr“ nach Texten von Gert Jonke. Da konnten einem schon die Ohren aufgehen.
Und der 2009 verstorbene Meister der „Sanftwut“ könnte von Wolke sieben mit mildem Lächeln auf das Treiben hernieder geschaut haben. Er wäre mit dem Resultat des Weiterspinnens seiner Sprachmusik höchst zufrieden gewesen. Denn hier haben drei Künstler nicht weniger riskiert als alles. Und so muss es in der Kunst wohl sein. Denn wie anders sollte man den Beweis führen, dass man aus jedem Gefängnis – seien es die vier Wände des eigenen Zimmers oder der Pranger des streng kontrollierten öffentlichen Dorfplatzes – ausbrechen kann, um frei zu sein. Die Komponistin und Sängerin Susanna Ridler riskiert für den Befreiungsschlag Leib (famose Körpersprache) und Leben – sprich: Singstimme, Sprechgesang und Emotion pur! – und sie hat den beiden Partnern vorskizziert, wie es doch noch ein Glück geben könnte: dem ostinaten Kontrabass (Peter Herbert), der nicht freigeben will, und dem Bläser (Wolfgang Puschnig), der der bedrohlichen Enge in virtuosen Anläufen einen Horizont, einen Morgen, ein Glück – vielleicht? – abtrotzt. Verbindlichen Dank! Und jetzt wieder lesen: „Geometrischer Heimatroman“ von Gert Jonke, mit diesem neuen Kompass als Zusatzorientierung – ein Leichtes, ein Kinderspiel!

Konzertausschnitt – G E O M E T R I E   D E R   S E E L E
vom 24.Oktober 2017 im Werner Berg Museum, Bleiburg
1,5 Minuten